Pia Meier
Müssen wir Angst haben, dass die Adventszeit dieses Jahres eine trübe Angelegenheit wird? Die befürchtete Stromknappheit führt dazu, dass die gewohnten Formen der Weihnachtsbeleuchtung nicht nur an der Bahnhofstrasse, sondern auch in den Quartieren infrage gestellt werden. Aber auch der Krieg in der Ukraine wirft Schatten auf den Advent, in dem das festliche Licht sonst so willkommen ist.
Tannen aus dem Stadtwald
Viele Quartiervereine schmücken jeweils zur Weihnachtszeit eine Tanne, die von Grün Stadt Zürich geliefert wird. Auch dieses Jahr bringt die städtische Dienstabteilung auf Wunsch einen Baum in die Quartiere. Allerdings haben von den gefragten Quartiervereinen zwei entschieden, dieses Jahr ganz auf eine Beleuchtung zu verzichten. Es sind dies die Quartiervereine Fluntern und Aussersihl-Hard. «Wir schmücken dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum mit Lichtern aus Solidarität mit den Menschen in der Ukraine», hält Martin Schneider, Präsident Quartierverein Fluntern, fest.
Die anderen gefragten Quartiervereine haben beschlossen, die Dauer der Weihnachtsbeleuchtung zeitlich zu reduzieren. Normalerweise wird diese auf öffentlichem Grund täglich von 6.30 bis 8 Uhr und von 16 bis 24 Uhr von EWZ eingeschaltet. Am 24. und 25. Dezember sowie am 1. Januar leuchten die Lichter normalerweise sogar bis 1 Uhr und an Silvester bis in den Neujahrsmorgen um 3 Uhr hinein. Dieses Jahr soll sie überall auf öffentlichem Grund weniger lang brennen, um Strom zu sparen. Das heisst, die Weihnachtsbeleuchtung wird die Menschen abends nur bis 22 Uhr und morgens gar nicht erfreuen.
Dies entspricht dem Kompromiss, den die City-Vereinigung in der Innenstadt ebenfalls eingeht, um Strom zu sparen. Die Quartiervereine folgten damit auch dem Wunsch von Martin Bürki, Präsident der städtischen Quartierkonferenz, der in einem Schreiben festgehalten hat: «Alle diejenigen, die den Strom direkt vom EWZ beziehen, müssen es gleich machen.» Allerdings wird der Nutzen der Reduktion der Einschaltdauer von einigen als klein eingeschätzt, da ihre Weihnachtsbeleuchtung aus LED-Leuchten bestehe. Diejenigen, die den Strom für ihre Baumbeleuchtung privat, das heisst zum Beispiel von einem benachbarten Haus beziehen, könnten die Einschaltdauer selber bestimmen, so Bürki.
Bleiben die Schaufenster hell?
Einige Quartiervereine denken bei dieser Reduktion der Einschaltdauer aber nicht nur an Stromsparmassnahmen, sondern auch sie wollen zusätzlich ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine setzen. «Wir schalten die Weihnachtsbeleuchtung um 22 Uhr ab, um Energie zu sparen, aber auch aus Gründen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine», erklärt zum Beispiel Urs Rauber, Präsident Quartierverein Wiedikon.
Die City-Vereinigung hatte ihre Mitglieder zudem aufgefordert, dieses Jahr zur Adventszeit auch bei der Schaufensterbeleuchtung und bei der Reklame Energie zu sparen. Ob die Detaillisten diesemAppell folgen werden, ist offen.