Home Region Sport Magazin Schweiz/Ausland
Region
14.01.2026
14.01.2026 17:47 Uhr

Sexueller Missbrauch: Vater streitet alles ab

Am Bezirksgericht Hinwil wird ein Fall behandelt, der aufwühlt.
Am Bezirksgericht Hinwil wird ein Fall behandelt, der aufwühlt. Bild: ARGE Brütsch Riggio Ugolini
Ein heute 65-jähriger Mann musste sich gestern vor dem Bezirksgericht Hinwil den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegenüber seiner Tochter stellen. Das Schulpflegemitglied streitet ab.

Ein Schulpflegemitglied aus dem Zürcher Oberland soll seine Tochter über Jahre sexuell missbraucht haben. Gestern musste er sich vor dem Bezirksgericht in Hinwil verantworten (wir berichteten).

Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, soll der Vater seine Tochter über Jahre hinweg mindestens einmal pro Woche, manchmal täglich, sexuell missbraucht und ab dem 12. Lebensjahr auch vergewaltigt haben. Die heute erwachsene Frau ist arbeitsunfähig und leidet unter anderem an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

«Völliger Blödsinn»

Gemäss «Tages-Anzeiger» wirkte der Mann bei der Verhandlung nervös. Gegenüber der Richterin wies er alle Vorwürfe von sich. Er habe nie irgendwelche sexuellen Handlungen an oder vor seiner Tochter vorgenommen. Das sei «völliger Blödsinn». Er gab lediglich an, bis zum 10. Lebensjahr seiner Tochter regelmässig mit ihr geduscht und sich am Abend neben sie ins Bett gelegt zu haben. Es seien jedoch nie sexuelle Absichten dahinter gewesen. Ganz selten habe er seine Tochter «leicht und nur aus Spass in den Schwitzkasten genommen».

Mutter soll nichts mitbekommen haben

Gemäss Staatsanwältin zeige er sich als antiautoritärer Vater, der nach aussen das Bild der perfekten Familie abgegeben habe. Er habe sich aber wegen schwacher schulischen Leistungen für seine Tochter geschämt. Die Tochter habe dem Vater unbedingt gefallen wollen. Das Mädchen, das ab dem 14. Lebensjahr immer wieder psychiatrische Hilfe brauchte und in Kliniken behandelt wurde, habe erst in einer betreuten Wohngruppe realisiert, dass die Übergriffe nicht zu einer normalen Vater-Tochter-Beziehung gehören.

Die Mutter soll während den Übergriffen abwesend gewesen sein oder habe nichts davon mitbekommen. Sie sei fassungslos gewesen, als sie von den Vorwürfen erfahren habe. Sie glaube ihrer Tochter «zu 100 Prozent».

Die behandelnden Psychiater wie auch die Staatsanwältin sehen keinen Grund, warum man an den Aussagen der Tochter zweifeln sollte. Hingegen seien die Aussagen des Vaters schwammig, diffus und unpräzise.

Verteidiger fordert Freispruch

Der Anwalt des heute 65-Jährigen soll den Vorwürfen vehement widersprochen haben. Man habe ihn als Sexmonster dargestellt, was nicht einmal ansatzweise der Realität entspreche. Gemäss «Tages-Anzeiger» stellte der Verteidiger die Schilderungen der Tochter infrage. Sie seien mitunter widersprüchlich, oberflächlich und ungenau. Ihr Motiv sei Rache, weil sie sich unverstanden und ungeliebt gefühlt habe. Er forderte einen Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft will den Mann wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und mehrfacher Vergewaltigung zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von 15 Jahren verurteilt sehen. Ausserdem soll der Vater ein lebenslanges Tätigkeitsverbot für Arbeiten mit Minderjährigen bekommen.

Das Urteil werde am 5. Februar bekanntgegeben.

Zürioberland24/bt
Demnächst